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Presseschau: Meininger Tageblatt, 27.08.2016; Seite 23 (von Rainer Koch)

 

Superlative werden allzu leicht und schnell in den Rechner geklopft. Bei ihm stimmt es. Der 77-jährige kleine blonde Mann, der so gewinnbringend schelmisch lächeln kann, ist eine Legende des Fußballsports. In diesem Jahr feiert er diamantene Fußball-Hochzeit. Fast ebenso lange - seit 58 Jahren - ist Gerd Böhm mitverantwortlich für den möglichst reibungsverlustfreien Fortgang der Nachwuchsangelegenheiten im Schmalkalder Bereich und weit darüber hinaus.

Der 1938 in Näherstille ("das ist wichtig!") geborene Gerd Böhm begann in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei der damaligen BSG Ost Schmalkalden zu spielen. "Als Linksaußen, wie mein Vater", mit dem er für kurze Zeit sogar gemeinsam in einer Mannschaft stand. Während seiner Armeezeit in Leipzig wurde Gerd Sportorganisator, bereitete da unter anderem die 1. Armee-spartakiade im Warschauer Vertrag in der Messestadt mit vor. 1958, von der Armee zurückgekehrt, setzte er seine aktive Laufbahn erst bei Motor Schmalkalden, dann bei der SG Näherstille und Traktor Weidebrunn fort, wurde Schiedsrichter, Übungsleiter.

Noch nicht einmal 20jährig, entschied sich Gerd, im damaligen KFA Schmalkalden als Mitglied im Jugendausschuss und Staffelleiter für das Ehrenamt. Organisieren - das lag und das liegt ihm. Wie dem Fambacher Ewald Marwahn, mit dem Gerd Böhm Jahrzehnte im Nachwuchsbereich verbunden war, bis Ewald vor drei Jahren aufhörte. Gerd Böhm folgt ihm als Mitglied des SFC Weidebrunn, dem er seit 2005 die Treue hält, nun nach in den fußballerischen Unruhestand.

Im WKS wurde der gelernte Werkzeugschlosser mit Faible für die häusliche Landwirtschaft 1974 Sportorganisator, bei Motor/WK Schmalkalden als Mitglied der BSG-Leitung Technischer Leiter Fußball. Ab Anfang der 70er-Jahre übernahm Gerd auch im KFA mehr Verantwortung, immer im Dienste des Nachwuchses. 1971 wurde er KFA-Mitglied, 1973 Vorsitzender der Kommission Kinder- und Jugendsport. 1994 kam die Vereinigung mit Suhl, 2002 dann ein historischer Schritt, der Folgen hatte. Mit seinem damaligen Meininger Partner Wilfried Weiß organisierte Gerd Böhm den Zusammenschluss Schmalkalden-Suhl-Meiningen im Nachwuchsbereich, quasi als Blaupause für den zehn Jahre später gegründeten KFA Rhön-Rennsteig. Damals war das eine Reaktion auf die stetige Rückwärtsentwicklung der Zahl der Nachwuchs-Mannschaften. Im KFA war vom Spitzenwert 134 im Jahr 1997 auf 84 im Spieljahr
2001/02 geschrumpft, stieg nach der Vereinigung sofort wieder auf 125 und liegt heute stabil bei über 110, Tendenz in jüngster Zeit wieder steigend.

Akribische Arbeit

Auf solch einen rührigen Macher wie den Gerd wurde man schnell höherenorts aufmerksam. Und so wurde er bald in Nachwuchs-Funktionen des damaligen BFA Suhl berufen und ab 1991 auch im Thüringer Fußball Verband ehrenamtlich tätig, im Jugendausschuss, als Staffelleiter A/B-Junioren. Die ältesten Juniorenjahrgänge behielt er als Staffelleiter bis heute im Blick.

Vor der Erfindung des Computer stand neben endlosen Stunden des Telefonierens akribische Schreib- und Rechenarbeit auf dem Programm. Dazu geografische und Wetterkenntnisse: "bei den Ansetzungen im zeitigen Frühjahr galt es zu bedenken - in Frankenheim liegt auf 800 Metern noch dicker Schnee, in Breitungen tritt die Werra über die Ufer". Gerd hat alles hinbekommen. Über den Kreis hinaus als Stimme Schmalkaldens in Nachwuchsangelegenheiten, boxte er im Bezirk und im Land so manches für die Region und deren Vereine durch. Öffentlich, mal auch intern. Immer aber legal. Darauf legt er viel Wert. Der integere Sportsmann war stets bemüht, mit allen Vereinen gut klarzukommen, deren manchmal nicht einfache Wünsche bei der Spielplanung möglichst zu erfüllen und Nein zu sagen, wo es wirklich nicht ging. Überhaupt die Ansetzungen, ein Puzzlespiel ohnegleichen. Ferien, Wandertage, mehrtägige Klassenfahrten, Feste wie die Kirmes, die Tatsache, dass die Spieler einer Mannschaft oder Spielgemeinschaft aus mehreren Schulen kommen. Da muss man schon Nerven haben und behalten. Erfahrung, Überblick und Verständnis.

Lang ist die Liste seiner Auszeichnungen, von der Ehrenplakette des DFV der DDR 1987 über die Ehrennadel des TFV in Gold und die des Landessportbundes bis zur Guts-Muths-Ehrenplakette in Gold, der höchsten Auszeichnung, die der Landessportbund zu vergeben hat, und der Ehrennadel des NOFV in Gold. Gerd wurde mit der Ehrenmedaille des Landrates und der Schmalkalder Rose geehrt, erhielt die Verdienstnadel des DFB, die Ehrenplakette des TFV und wurde 2016 zum Ehrenmitglied des KFA berufen. Besonders stolz ist er auf die Aufnahme in den "Club der Hundert" des DFB, die 1998 erfolgte und die er so kommentierte: "Das war für mich wie ein Sechser im Lotto". Urkunden, Pokale, Fotos, die ihn mit Uwe Seeler oder Steffi Jones zeigen - sein Arbeitszimmer im gemütlichen Weidebrunner Heim ist eine Fußball-Oase. In den Jahren war Gerd Böhm nie angepasst, scheute und scheut die Kritik an in seinen Augen unsinnigen Regelungen und Fehlern keineswegs. Für einen der größten hält er die jetzige Stichtagsregelung 1.1. für die Einteilung im Nachwuchs. Früher war es der 1.7. und ging somit konform mit den Schulklassen.

Gerd Böhm hat nun aufgehört. Wollte es schon vorher, wie sein jahrzehntelanger Partner Ewald Marwahn, folgte aber dem Wunsch, noch eine Wahlperiode dranzuhängen und dies bis zum Ende der Serie 2015/2016. Er ging nicht, ohne das Feld zu bestellen, sicherte seinen Nachfolgern etwa die bisherigen Stifter der Pokalwettbewerbe im KFA, für die er gesorgt hatte. Ganz geht er sowieso nicht. Auch weiterhin wird Gerd Böhm die Ergebnisse und Tabellen und Analysen im Nachwuchsbereich für die Veröffentlichung im Sportteil der Heimatzeitung aufbereiten. So wie er das seit Jahrzehnten zuverlässig tat. Das überhaupt ist sein Markenzeichen: die Zuverlässigkeit. So einer ist auf Anhieb nicht zu ersetzen. Mehr von ihm, dem Volksmusikliebhaber, haben nun seine Frau, sein Sohn und dessen Familie, vor allem die beiden bereits erwachsenen Enkelinnen, auf die er so große Stücke hält.